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Dokumentation
Produktionsdaten
Abbildung:
Titel:80 Jahre Burgenland / 80 years Burgenland
Medienart:CD Rom
Herausgeber: Kroatisches Kultur- und Dokumentationszentrum, ARGE Volksgruppen Burgenland 
Hersteller-Land:Kroatien 
Hersteller-Jahr:2002 
Produktumfang:2 CD-ROM 
Systemvoraus-
setzungen:
ab Win 95, 64 MB RAM, 100 MB freier Speicherplatz, 32 bit Farbe 
Inhalt
Retrieval
Bildungsbereich:Weiterbildung/Fortbildung, Erwachsenenbildung 
Bildungskategorie:ethische Bildung 
Ethik-
Themenfeld:
1. Kulturelle Identität und interkulturelle Verständigung
1.1. Kulturelle Identität und interkulturelle Verständigung im Blickwinkel der Vergangenheit
6. Bürger und Gesellschaft
6.2. Die Gesellschaft für den Einzelnen
Schlagwort:Ethik, ethics, Region, Österreich, Kultur, Geschichte, Bildungsmedium, Ethik
Systematik:Ethik, Medienpädagogik
Auszeichnung
Auszeichnungs-Art:Euromedia-Medaille 
Auszeichnungs-Jahr:2003 
Auszeichnungs-Ort:Berlin 
Auszeichnungs-text: Europa ist eine gesprochene und eine sprechende Formel für den kulturellen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Zusammenschluss von Regionen und Ethnien. In ihm werden solche Unterschiede vergemeinschaftet und auf diese Weise zu einem symbolischen Kapital integrativer Nachbarschaft.Der Prozess ist geschichtlich und braucht Zeit in einem quantitativen wie in qualitativem Sinne. Vorbilder, die sich finden, geben Hoffnung, dass es gelingen kann und gelingen wird.Das Burgenland, heute eine österreichische Region mit einer Einwohnerzahl von rd. 280.000, ist im Hinblick auf seine Geschichte und seine gegenwärtige Entwicklung und Lage ein solches Modell, eine Perspektive der Machbarkeit von sozial integrativer Lebenskultur.Burgenland war immer eine Grenz- und Übergangsregion und daher stets von den Konflikten, aber auch Wanderbewegungen der Region betroffen. Aus dieser geopolitischen Lage bzw. den historischen Entwicklungen ergab sich sehr früh eine ethnische, religiöse und kulturelle Vielfalt in diesem Landstrich.Bis 1921 war Burgenland als Deutsch-Westungarn Teil des ungarischen Königreiches in der österreichisch-ungarischen Monarchie. Schon seit Jahrhunderten leben hier aus dem bajuwarischen Raum angesiedelte Grenzwächter, die schließlich auch die sprachliche Mehrheit der Bevölkerung Deutsch-Westungarns bildeten.Vor rund 500 Jahren wurden hier - zumeist in organisierten Umsiedlungsbewegungen - von den ungarischen Magnaten Kroaten angesiedelt. Die Gründe für die Ansiedlung waren verschiedene: Im Zuge der Türkenkriege entstand in Kroatien eine Binnen-Fluchtbewegung. Die ungarischen Grundherren aus Deutsch-Westungarn verfügten zum Teil auch über Güter in Kroatien. Als Folge der Türkenkriege und nach einer Agrarkrise waren viele Orte in Westungarn verödet, die Landwirtschaft hatte keine Arbeitskräfte. Daher begannen die ungarischen Grundherren mit groß angelegten Umsiedungsaktionen aus Kroatien nach Deutsch - Westungarn, wobei Kroaten aber bis in den Raum um Wien, nach Böhmen und in die heutige Slowakei siedelten.Der ungarische Adel und das Selbstverständnis des ungarischen Staates verhielten sich westlich toleranter gegenüber Minderheiten. So wurden die Roma und Sinti in Ungarn praktisch kaum verfolgt, während sie im österreichischen Teil der Monarchie sogar für vogelfrei erklärt wurden und damit allen brutalen Verfolgungen schutzlos ausgesetzt waren. Die Folge war, dass viele Roma die ungarisch-österreichische Grenze nicht überschritten und im damaligen Deutsch-Westungarn auch sesshaft wurden.Ebenso entstanden in diesem Raum starke jüdische Siedlungen („7 heilige Gemeinden“), die auch starken geistlichen Einfluss auf das Judentum in Osteuropa entwickelten ( z.B. Oberrabbiner von Mattersdorf war die geistliche Autorität für die Juden bis nach Siebenbürgen).Nach dem 1. Weltkrieg wurde Deutsch-Westungarn im Jahre 1921 als neues Bundesland Burgenland an Österreich angeschlossen. Das Burgenland hat die größte kulturelle, sprachliche und religiöse Vielfalt unter den österreichischen Bundesländer. Rund 10 % der Bevölkerung sind Kroaten, 5 % sind Ungarn, weiters leben schätzungsweise 1.500 Roma in dieser Region. Mit 18% hat das Burgenland den höchsten Anteil an Evangelischen in Österreich.Die Lage als Grenzregion hat Spuren gezogen. Diese Migrationbewegungen der letzten Jahrzehnte spiegeln sich in der sprachlichen Vielfalt wieder. Die rund 270.000 österreichischen Staatsbürger gaben bei der Volkszählung 2001 insgesamt mehr als 50 verschiedene Sprachen als Umgangssprachen an (= Sprache, die im täglichen Umgang verwendet wird).Im Jahre 2001 wurde das 80-Jahr-Jubiläum von Burgenland gefeiert. Unter zahlreichen anderen Projekten hat die Burgenländische Landesregierung zwei Vorhaben der Arbeitsgemeinschaft Volksgruppen Burgenland mit ca. 100.000 Euro gefördert.Die Erstellung einer CD-Rom zur Geschichte des Landes in allen vier Landessprachen und in Englisch (Deutsch, Kroatisch, Ungarisch, Romanes, Englisch). Das zweite Projekt war die Erstellung eines digitalen Sprachkurses (CD-Rom) für jede Volksgruppensprache (Burgenlandkroatisch, Ungarisch, Romanes), der in der Erwachsenenbildung eingesetzt wird.Die CD-Rom 80 Jahre Burgenland widerspiegelt in Themenwahl, Aufbau und Dramaturgie nicht nur den historischen Diskurs des Landes, sondern auch den Gegenwartsdiskurs der Region. Ihre didaktische Intention ist es, aus den kulturellen Monumenten die Wertigkeit der Mühlen der Geschichte zu verstehen, die Vielfältigkeit der Gegenwart als Geschenk und die daraus geschöpften Hoffnungen für die Zukunft als offene Herausforderung anzunehmen.Das Projekt das heute ausgezeichnet wird, ist eingebettet in eine Vielzahl von kulturproduktiven Aktivitäten des kroatischen Kultur und Dokumentationszentrum, deren künftoge Schwerpunkte z.B. sind:· Erstellung eines gemeinsamen Schulbuches für den Geschichte-Unterricht in den Schulen im Burgenland und in Westungarn (wird in den Sprachen Kroatisch, Ungarisch, Deutsch erscheinen und soll als offizielles Schulbuch in beiden Ländern approbiert werden); damit entsteht erstmals ein gemeinsames grenzüberschreitendes Schulbuch in zwei Staaten· Implementierung des Zentrums für Zwei(t)sprachpädagogik als Bildungseinrichtung für LehrerInnen der Volksgruppensprachen, aber auch für FremdsprachenlehrerInnen sowie Errichtung einer umfassenden Studienbibliothek zur Zwei(t)sprachpädagogikDie Gesellschaft für Pädagogik und Information und die Eurocomenius-Jury möchten mit der Vergabe der Comenius-Euromedia-Medaille vor allem die Erwachsenenpädagogischen Ambitionen der CD-Rom 80 Jahre Burgenland und die des kroatischen Kulturzentrum der internationalen Aufmerksamkeit empfehlen. 
Laudator:Prof. Dr.Thomas A. Bauer 
Bewertung
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