Über die GPI

Grußwort gehalten am 12. November 2004 anlässlich der Feier
"40 Jahre Gesellschaft für Pädagogik und Information"

   

Joachim Thoma,

Senatsverwaltung für Bildung Jugend und Sport

  

Über die Bedeutung von Information und Medien als Träger dieser Information für Bildung und Schule ist hier schon ausreichend gesprochen worden. Wir alle hier, haben uns diese Bedeutung zum Lebensinhalt gewählt und sind damit auch selbst mehr oder weniger bedeutend geworden. Aber darüber möchte ich an diesem Jubiläum nicht reden. Ich möchte vielmehr kurz der Frage nachgehen, was Berlin im allgemeinen und die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport im besonderen mit der gpi zu tun haben.

 

Dieser kleine historische Exkurs gründet in der Tat in dem Ereignis, an das wir uns am 9.11.2004 gerade wieder erinnert haben: der Fall der Berliner Mauer und damit der endgültige Zerfall der DDR. Und wie es beim Zerfall eben so üblich ist, produziert er Abfall. Und das hat dann schon etwas mit der gpi und der Senatsverwaltung zu tun. Damit jetzt keine falschen Schlüsse gezogen werden, lassen Sie mich das etwas näher erläutern. Das Institut für Unterrichtsmittel, das „FWU des Ostens“, 1989 in exponierter Lage am Checkpoint Charlie, Krausenstr. 8, heute eine feine noch exponiertere Adresse, wurde von der Senatsverwaltung abgewickelt, wie so vieles in den Tagen nach dem November 1989. Der Abwickler steht vor Ihnen. Als ich irgendwann gegen Ende 1990 diesen Auftrag bekam und mir einen Überblick über die Medien, die sich dort befanden, verschaffte, war mir als dem Medienreferenten dieser Verwaltung klar, dass alle diese Filme, Dias, Tonbänder usw. etwas wert sind, weniger im materiellen als im ideellen Sinne, sie waren Zeugnisse pädagogischer Arbeit aus dem Ostteil Deutschlands, zum Teil mit ideologischen Zielsetzungen, zum Teil aber auch nur zur wertfreien Veranschaulichung von Unterrichtszielen, die Ameise Ost als Pendant zur Ameise West. Wobei dieses Beispiel vielleicht nicht ganz glücklich ist, da ja gerade die Ameise und ihr Staatsgebildet je nach Blickrichtung eher sozial oder auch sozialistisch gesehen werden kann. Kurz und gut, alle diese Medien waren für unsere Verwaltung Ballast, etwas „für den Container“, also zeitgeschichtlicher Abfall sozusagen.

 

Nun, ich verkürze, die Medien wurde nicht weggeschmissen, die Originale habe ich in kriminalistischer Kleinarbeit in einer Nacht- und Nebelaktion beim DEFA-Kopierwerk ausgemacht, gesichert und sie später beim Bundesfilmarchiv eingelagert. Die kompletten Arbeitskopien aber führen endlich zur gpi. Wer, wenn nicht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Unterrichtsmittel, wären in der Lage, diese Medien systematisch zu erschließen und so zu archivieren, dass sie tatsächlich nicht nur Abfall sondern nutzbar sind? Die Frage, ob es Weitsicht oder Not war, die sie in die Arme der gpi trieb, kann nur von denen beantwortet werden, die heute noch aktiv sind und mit denen wir längst in engem kollegialen und freundschaftlichen Verhältnis zusammengewachsen sind. Auf jeden Fall wurde das Institut für Bildung und Medien der gpi ein verlässlicher Partner für die Senatsverwaltung und die damals noch existierende Landesbildstelle und ein gefürchteter Antragsteller bei der EU und anderen Geldgebern, weil die Anträge so gut waren und sind, dass sie eigentlich nicht abgelehnt werden können.

 

Ich freue mich besonders darüber, dass die so geächteten „sozialistischen“ Medien für die wissenschaftliche Nutzung archiviert und erschlossen sind. Teile davon haben in den verschiedenen Projekten der gpi ein neues Dasein gefunden, wie z. B. in den Dokumenten zur zeitgeschichtlichen Weiterbildung mit einem Titel, dessen Aktualität immer wieder aufmunternd wirkt: „Stets stärker, schneller, standhafter als der Feind“, wo immer man den Feind auch vermutet. Sie haben aber auch Brücken zu Europa geschlagen und mit „EUROMEDIA“ und allen daran anschließenden Vorhaben die gpi internationalisiert, sozusagen die Perspektive für eine egpi (wobei e hier ausnahmsweise nicht für electronic sondern für europeen steht) geschaffen.

 

Ich wünsche der Gesellschaft und seinem Institut für Bildung und Medien im Namen des Senators für Bildung, Jugend und Sport alles Gute für die Zukunft. Wir werden auch weiterhin unsere ideelle Unterstützung anbieten und ich hoffe, dass trotz der verbissenen Aufholjagd auf bessere Plätze bei der nächsten PISA-Studie über den Bemühungen für Bildungsstandards, Vergleichsarbeiten, Schulprogrammentwicklung, Evaluation und Qualitätssicherung die Bedeutung der Medien für Bildungsprozesse nicht aus dem Blick gerät. Es gibt leider im politischen Raum schon viele Anzeichen dafür. Insofern wird die gpi auch weiterhin eine Wächterfunktion für die kommenden Jahre übernehmen müssen, die sie dankenswerterweise in der Vergangenheit immer dann übernommen hat, wenn es darum ging, den besonderen Stellenwert von Mediendidaktik im Bildungsgeschehen zu verdeutlichen. Lassen Sie uns alle in diesem Sinne weitermachen.

Danke.